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"Musica Non Grata" - Die Wiedereröffnung der Prager Staatsoper markiert den Beginn eines vierjährigen Projekts an Prager Bühnen

Nach dreijähriger Generalsanierung öffnete die Prager Staatsoper (Státní Opera) wieder ihre Pforten. Am 5. Januar 1888 als „Neues Deutsches Theater“ eröffnet, wurde das Haus am historischen Datum 5. Januar 2020 wiedereröffnet. Das Publikum erwartete ein Festkonzert unter der Leitung des neuen Generalmusikdirektors Karl-Heinz Steffens, bei dem neben international renommierten tschechischen Stars wie Pavel Černoch oder Eva Urbanová und Prager Publikumslieblingen wie Simona Houda-Šaturová und Peter Mikuláš unter anderem auch die jüngst zur „Nachwuchssängerin des Jahres“ gekürte Bayreuth-Debütantin Lise Davidsen zu erleben war.

 

Der von Pavel Kohout moderierte glanzvolle Gala-Abend, der als Live-Stream noch bis Juli 2020 auf www.arte.tv verfolgt werden kann, markierte gleichzeitig den Start einer auf vier Jahre angelegten Opern- und Konzertreihe, die unter dem Titel „Musica Non Grata“ die Kräfte von vier Prager Bühnen bündeln wird. Neben der Státní Opera und dem traditionsreichen Nationaltheater (Národní Divadlo) locken im breit gefächerten Programm ebenso Veranstaltungen der Nová Scéna und des historischen Ständetheaters. Einst Ort der Uraufführung von Mozarts „Don Giovanni“ und heute auch als Spielstätte für zeitgenössische Kammeropern geschätzt.

 

Unterstützt durch die Tschechische Regierung und das Deutsche Auswärtige Amt möchte „Musica Non Grata“ gut 75 Jahre nach Ende des Zweite Weltkriegs den früher so regen kulturellen Austausch beider Länder neu aufleben lassen und an Werke erinnern, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Prag aus ihren Siegeszug um die Welt antraten und später aus politischem Gründen mit Gewalt zum Verstummen gebracht wurden. Am 27. Mai 2020 startet das Projekt mit einem großen Konzert, das Ausschnitte der in den Folgejahren geplanten Werke enthält. Am 28. Mai 2020 wird die Neuinszenierung von Jaromir Weinbergers „Svanda Dudak“ der erste Baustein dieser Theater- und Spielzeiten-übergreifenden Reihe sein, mit der man die tschechisch-deutsch-jüdische Kulturgeschichte in Prag wieder in den Fokus rücken und vergessenes neu zur Diskussion stellen will. Hierfür stehen Komponisten wie der langjährige Prager Musikdirektor Alexander von Zemlinsky, Ernst Krenek, Franz Schreker, Hans Krasa, der in Brno geborene Erich Wolfgang Korngold, Ervin Schulhoff, Pavel Haas oder Viktor Ullmann.

 

Initiiert vom neuen Intendanten Per Boye Hansen wird das ambitionierte Projekt getragen von den beiden Musikdirektoren Jaroslav Kyzlink (Nationaltheater) und Karl-Heinz Steffens (Staatsoper), dem vielseitigen Prager Ensemble, sowie namhaften tschechischen Künstlerinnen und Künstlern. Aber auch von internationalen Gästen, die ein ebenso spannendes wie abwechslungsreiches Programm garantieren, das neben großer Oper auch Sinfonisches, Kammermusik und Liederabende enthält und durch Symposien und weitere Forschungsvorhaben begleitet wird.

 

Einen besonderen Schwerpunkt bildet hierbei Musik aus weiblicher Hand. Waren die Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre doch auch eine Zeit der Emanzipation von Komponistinnen. Frauen wie Vitezslava Kapralova, Emmy Destinn, Julie Reisserova oder die schottisch-tschechische Komponistin Geraldine Mucha traten damals aus dem Schatten ihrer männlichen Kollegen. Und so soll nun auch diese bisher meist nur wenig beleuchtete Facette des Musiklebens endlich aus ihrem Nischendasein gelöst und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Dies übrigens auch über die Grenzen Prags hinaus. Sämtliche Aufführungen der „Musica Non Grata“ werden digital durch Streaming zugänglich gemacht und zum Teil im Anschluss daran auf DVD, CD und in Online-Archiven verfügbar sein.

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