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„Musica non grata“ startet 2021 mit Online-Konzerten

Das durch die Corona-Pandemie ausgebremste deutsch-tschechische Kulturprojekt „Musica non grata“ startet 2021 mit einer Serie von Online-Konzerten. Den Anfang macht am 24. März ein Programm mit Werken von Bohuslav Martinů (1890–1959). Es folgen Konzerte mit Musik von Hans Krása (1899–1944), Pavel Haas (1899–1944), darüberhinaus eine Homage an den Zeitgenossen Igor Stravinsky (1882–1971). Die Veranstaltungen sind auf der Videoplattform von „Musica non grata“ in loser Reihung immer mittwochs zu erleben: www.musicanongrata.com/de/events/

 

Mit den vier Komponisten Krása, Martinů, Haas und Schulhoff stehen vier Akteure im Fokus, die das Prager Musikleben der 1910er- bis 1930er-Jahre geprägt haben. Alle wurden sie, teils wegen jüdischer Herkunft, teils wegen ihres Schaffens, von den Nationalsozialisten vefolgt. Martinů gelang 1940 die Übersiedelung nach Amerika, Schulhoff, Krása und Haas wurden von den Nationalsozialisten interniert, kamen in Gefangenschaft um oder wurden in den Gaskammern ermordet.

 

Zu trauriger Berühmtheit ist Krásas Kinderoper „Brundibár“ gelangt, die am 24.03. in einem Kurzfilm von Magdaléna Švecová vorgestellt wird. Zunächst 1941/42 in einem Prager Waisenhaus durch die Heimkinder einstudiert und aufgeführt, entstand nach der Deportation des Komponisten nach Theresienstadt die sogenannte „Theresienstädter Fassung“. Durch die dort gefangen gehaltenen Kinder kam sie im KZ 55 Mal zur Aufführung.

 

Auch Igor Stravinsky, als einem Klassiker der Musik des 20. Jahrhunderts, wird die Aufmerksamkeit von Musica non grata zuteil – denn auch seine „entartete“ Musik hätte aus der Welt getilgt werden sollen.

 

Mitwirkende der Online-Konzerte sind Chor, Orchester und Ballett des Nationaltheaters Prag, das Orchester der Staatsoper Prag sowie Solist*innen aus den jeweiligen Ensembles. Geleitet werden die Aufführungen von Zbyněk Müller, Jana Cecílie Mimrová und den beiden Musikdirektoren Karl-Heinz Steffens und Jaroslav Kyzlink.

 

Ein weiterer Schwerpunkt des künstlerisch-wissenschaftlichen Vorhabens „Musica non grata“ im kommenden Jahr ist ein Konzert mit Werken der mit Martinů befreundeten, bereits mit 25 Jahren verstorbenen Komponistin und Dirigentin Vítězslava Kaprálová. Weitere Programmpunkte folgen.

 

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