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Chor des Bayerischen Rundfunks: „Horizonte“ – Vokalmusik der Gegenwart am 17. November 2018 im Prinzregententheater (2. Abokonzert)

Am Samstag, 17. November um 20.00 Uhr, lädt der Chor des Bayerischen Rundfunks zu seinem 2. Abonnementkonzert ins Prinzregententheater ein. Auf dem Programm steht Chormusik der zeitlichen und räumlichen Horizonte: es erklingen zeitgenössische Werke von Komponisten aus weit auseinanderliegenden Regionen. So stammt Anna Thorvaldsdóttir aus Island, Kaija Saariaho aus Finnland, Thierry Machuel aus Frankreich, Bjørn Andor Drage aus Norwegen, Krzysztof Penderecki aus Polen und Arvo Pärt aus Estland. Ihre Schöpfungen sind Musik der Demut und des Abschieds – ein adäquates  Programm für den Trauermonat November.

 

Eine musikalische Reflexion auf eine 350 Jahre alte Trauermusik schrieb der Norweger Bjørn Andor Drage in seinem „Klag-Lied“, der sich als Komponist und Organist seinem barocken Vorbild Dietrich Buxtehude verbunden fühlt. Anna Thorvaldsdóttir antwortet in „Ad genua“ (Auf die Knie) auf den zweiten Satz aus Buxtehudes „Membra Jesu nostri“, von dem sie auch den Titel übernommen hat. Ein Werk, in dem Buxtehude den Füßen, Knien, Händen, Seite, Brust, Herz und Gesicht des gekreuzigten Jesus je eine Kantate zuordnet. Körperliche Bezüge hat auch Kaija Saariahos „Nuits, adieux“, das vom Singen, Atmen, Flüstern, von der Nachtzeit und von Abschieden handelt. Thierry Machuel vertonte in seinem A-cappella-Stück „Nocturne (Richter)“ einen Text des Dramatikers Benoît Richter. Text und Musik evozieren eine Situation der Verzweiflung, der Angst, der Erstarrung, aber auch einer retrospektiven Verherrlichung der Liebe vor dem apokalyptischen Panorama einer sich zunehmend verfinsternden Landschaft. Die meisten Werke von Krzysztof Penderecki und vor allem seine Chorkompositionen sind geprägt von den Traditionen geistlicher Musik und einer tiefen Spiritualität. Drei seiner Kompositionen – zwei für Chor und eine Serenade für Streicher – bilden einen Schwerpunkt des Programms, das mit Arvo Pärts „Berliner Messe“ abgeschlossen wird. Archaisch und karg, nach innen gewandt und zugleich ekstatisch klingt Pärts klare, in der Reinheit der Dreiklänge leuchtende Musik, welche die rigiden Grenzen von Raum und Zeit hinter sich zu lassen scheint.

 

Am Pult steht der vielversprechende Nachwuchsdirigent Yuval Weinberg. Beim BR-Chor trat er schon mehrfach in Erscheinung, so etwa 2017 mit dem Programm „Friede auf Erden“ und erst jüngst mit „Loreleys Schwestern“ im Jüdischen Gemeindezentrum in München. Musikalischer Partner für die Werke von Anna Thorwaldsdóttir und Arvo Pärt ist das Münchener Kammerorchester, mit dem der Chor eine langjährige Freundschaft pflegt und dabei einen besonderen Fokus auf zeitgenössische Musik legt. Alle Solopartien werden von Chormitgliedern übernommen.

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