Ophelias Blog

Opéra Royal de Wallonie-Liège: „Le Domino noir“

Mit der ersten Opernpremiere im Jahr 2018 präsentierte die Opéra Royal de Wallonie-Liège einen Publikumsrenner des 19. Jahrhunderts. Aubers heute fast vergessene komische Oper „Le Domino noir“ war auch für uns neu, am 23. Februar feierte sie in Liège einen fulminanten Erfolg. Die Novizin Angèle schleicht sich im Schutze des Domino noir, einem weiten, schwarzen Kapzenumhang, auf einen Ball und verliebt sich dort in den Adligen Horace. Nach vielen Irrungen und Wirrungen finden die beiden zueinander und erhalten die Erlaubnis, zu heiraten.

Das Werk von 1837 war zu seiner Zeit ein Publikumsmagnet, ist dann aber lange von den Bühnen verschwunden – zu Unrecht, wie das Kulturmagazin O-Ton findet. Die Oper ist eine wahre Entdeckung, insbesondere „wenn man sie mit derart viel feinsinnigem Pep und subtiler Komik, derart üppigem technischem Aufwand und einer entsprechend exzellenten Besetzung präsentiert wie jetzt in Liège“. Das Regisseur-Duo Valérie Lesort und Christian Hecq hat die Charaktere mit Witz und Liebe zum Detail herausgearbeitet und „sprüht vor wirklich geistreichen Einfällen“. Die Ausstattung von Laurent Peduzzi (Bühnenbild) und Vanessa Sannino (Kostüme) orientiert sich am Stil der Belle Époque, garniert mit fantasievollen Elementen an Kostümen und Bühnenbild. Auch musikalisch hat Aubers komische Oper einiges zu bieten: Die Komposition erinnert bereits stellenweise an Offenbach und darf mit Berechtigung als dessen Vorläufer gesehen werden. „Die sparsam eingesetzten Musiknummern sind bei Dirigent Patrick Davin in den allerbesten Händen. Dezent und mit viel Feingefühl lässt er seine Musiker spielen und trägt die Sänger dabei auf Händen“ (Deutschlandfunk, Musikjournal). Der namhafte Eugène Scribe, von dem das Libretto stammt, verpackt in den Dialogen allerlei Satire und frivole Andeutungen. All das macht die lang vergessene Verwechslungskomödie zu einem sehr charmanten Stück mit bestem Unterhaltungswert.

Weitere Berichte kommen in Opernwelt, Oper!, Orpheus und bei bachtrack.com.

Fotos: © Lorraine Wauters

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