Ophelias Blog

Ein Operettenwochenende in Frankreich

Zum Start des Offenbachjahres haben wir am 19. und 20. Januar ein Wochenende voll leichter Muse mit Operettenproduktionen des Palazzetto Bru Zane in Paris und Reims verbracht. Dort betreuten wir eine Pressereise für den Palazzetto. Kaum in Paris angekommen, erlebten wir hautnah die politischen Proteste. Die Atmosphäre war am Samstag sehr nervös, auch wenn nur 7000 Gelbwesten marschierten. Die Schließung vieler U-Bahnstationen erforderte fitte Füße, so kamen am Samstag bei Streifzügen durch die Stadt und abends zum Théâtre Marigny viele Kilometer Fußmarsch zusammen. Trotz der starken Polizeipräsenz war die autofreie Champs-Élysées ein unvergessliches Erlebnis.

 

Im runden Théâtre Marigny spielten abends die „2 Bouffes en 1 Acte“. Das Gebäude liegt ganz in der Nähe der legendären Bouffes Parisiennes, wo Jacques Offenbach selbst seine Einakter aufführte. Nur eine knackige und höchst unterhaltsame Stunde dauerten „Les deux aveugles“ und „Le compositeur toqué“. Witzig, fantasievoll in der Regie, gut gespielt und gesungen präsentierten sich die kurzen Werke von Offenbach und Hervé im nahezu ausverkauften Theater. Das französische Publikum genoss diesen heiteren Abend voller Anspielungen, Doppeldeutigkeiten und politischer Spitzen – für uns waren die sprachlichen Finessen etwas schwieriger zu verstehen. Am Sonntag brachte uns der grandios pünktliche und schnelle TGV in nur 45 Minuten ins 145 km entfernte Reims. Die alte Krönungsstadt der französischen Könige wurde nach der starken Bombardierung im 1. Weltkrieg im Stil des in den 1930ern modernen Art Deco restauriert. Einer dieser Prachtbauten ist das Theater, das bis heute sehr edel aussieht. Dort erwartete uns mit Messagers „Les P’tites Michu“ eine knallbunte Verwechslungskomödie, die das auffallend junge Publikum der Nachmittagsvorstellung drei Stunden lang amüsierte, bevor der TGV uns pünktlich zum Dinner zurück in die französische Hauptstadt brachte.

 

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